| Dipl.-Ing. Weinbau & Oenologie
Fachhochschule Wiesbaden - University of Applied Sciences
scientific coworker / project manager "Hessen-Vinothek"
project coordinator "Geisenheim at Weinwelt München"
managing director Geisenheim Alumni Association
executive committee Bund Deutscher Oenologen
vize-president "German Wine Soccer Team - WEINELF"
von-Lade-Str.1 65366 Geisenheim
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 Wir sind die Weinmacher

Editorial "Der Oenologe", Der Deutsche Weinbau 01/2005
Im deutschen Sprachraum wird häufig nur sehr widerwillig vom "Wein machen" gesprochen, ganz im Gegensatz zur restlichen Welt, wo der Begriff "wine making" ein klangvolles Image hegt. Der Wein, dieses himmlische Getränk, begleitet den Alltag des Menschen seit Jahrtausenden und definiert sich als Kult-, Genuss- oder schlichtes Alltagsgetränk; da fällt es schwer, den Vorgang der Entstehung eines solch emotional geprägten Produktes auf ein plumpes "machen" zu reduzieren. Es ist wohl die Angst vor den Empfindlichkeiten der ideologisch besetzten Weinfachleute und -konsumenten, die unszu immer neuen Begriffen für die Weinbereitung bewegen. Doch ist Vinifikation nichtdasGleiche wie das Wein machen? - ein solides Handwerk, welches aus qualitativ hochwertigem Traubenmaterial Spitzenweine und aus "normalen" Qualitäten gute Weine hervorbringen kann. Viele illustre und interessante Charaktere machen in unserem Land Wein - pardon, bauen Weine aus. Es sind Winzer, Kellermeister oder Oenologen, die die Besonderheiten unserer Weinbauregionen, welche den Reichtum und die Vielfalt der deutschen Weine ausmachen, erhalten und garantieren. Es sind die Bindeglieder zwischen tausendjähriger Tradition und Innovation.
Nach der Definition der Organisation Internationale de la Vigne et du Vin (OIV) ist "der Oenologe eine Persönlichkeit, welche, Kraft ihrer wissenschaftlichen und technologischen Kenntnisse, ausgewiesen durch das Diplom, das demjenigen einer Fachhochschule oder einer Universität entspricht, fähig ist, im Rahmen der guten und rechtsgültigen Praxis folgende Tätigkeiten auszuüben: Die vernunftsgemäße Anwendung des gelernten oder aus der Wissenschaft oder Technologie geschöpften Wissens; die Durchführung technologischer Forschung; die Mitarbeit in der Entwicklung von Materialien für die Technologie und die Ausrüstung von Kellereien; die Mitarbeit in der Anlage und der Pflege von Rebbergen; die Übernahme der vollen Verantwortung für die Produktion von Traubensaft, Wein und Folgeprodukten ausWein und die Sicherung ihrer Haltbarkeit; die Durchführung von Analysen (physikalische, chemische, mikrobiologische und organoleptische) der erwähnten Produkte und die Interpretation der Analysedaten; er hat die Fähigkeit, bestehende Beziehungen zwischen Wirtschaft, Weingesetzgebung und oenologischer Technologie zu erkennen und die Vermarktung der Produkte zu organisieren. Es istdie Aufgabe desOenologen, Weine von einer Qualität zu bereiten, welche den Anforderungen des Marktes entsprechen. Seine Fähigkeiten sind gefragt in Analyselaboratorien, in der angewandten Forschung, in Beratungsgremien, in Weinbaubetrieben, im Handel, in der Industrie oder in der Ausbildung. Es gibt vielfältige aktuelle Herausforderungen. Sie beziehen sich auf das Produkt, seine technologische, ökologische, ökonomische, kulturelle und gesellschaftliche Umgebung."
In der Öffentlichkeit wird diese interessante und komplexe Tätigkeit unserer "Weinmacher" gegenwärtig nur am Rande wahrgenommen, auch wenn bereits vor Jahren eine für viele heute noch attraktive Fernsehserie "Die Weinmacher" von Regisseur Christian Rischert und Kameramann W.P. Hassenstein für den Bayerischen Rundfunk gedreht und sehr erfolgreich ausgestrahlt wurde. Derzeit werden Sommeliers, die als Weinkellner die Speerspitze unserer Weine in der Gastronomie sind, mehr und mehr als die eigentliche Weinkompetenz verstanden. Klangvolle Namen haben es dabei in einer beeindruckenden und wirklich professionellen Weise verstanden, das Augenmerk der Konsumenten auf Fragestellungen beim Genuss zu focussieren. Schmeckt der Wein nun in der feinsten Aromanuance nach Cox Orange, Cox's Orange Pippin oder gar Cox's Orangen Reinette? ist ein Beispiel für eine abendfüllende Diskussion, die – medientauglich aufbereitet – Weinfreunde in den Bann ziehen kann. Zugegeben, die glamouröse und eloquente Welt der Sommeliers fasziniert. Einerseits ist dieswohl auch ein großer Gewinn für die Vermarktung unserer Produkte, doch werden damit nicht anderseitsunsere Erzeugnisse in eine kritischmystische Höhe gehoben? Bei aller Wertschätzung für die vornehmlich sehr gute Arbeit von Weinkritikern, Weinexperten und Sommeliers wäre es doch dringend notwendig, die Stimmen unserer Weinmacher in der Öffentlichkeit deutlicher zu hören, die immerhin die Trauben im Weinberg selektieren, die technologischen Verfahren einleiten, die Entwicklung prägen und den Weincharakter mitbestimmen. 
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